7. Juni 2021

Die Leistung eines Solarkraftwerks im Süden des Landes

Auf dem Dach eines Parkhauses des House of BioHealth in Esch wurden Solarmodule installiert. Sie sind direkt an das Stromnetz angeschlossen und erzeugen das Äquivalent an Strom, das notwendig ist, um 93 private Haushalte ein ganzes Jahr lang mit Elektroenergie zu versorgen. Wussten Sie, dass dies die erste Anlage ihrer Art in Luxemburg ist?

Das Ende 2019 begonnene und im Januar 2021 eingeweihte Projekt „Parking Biohealth“ war für die Stadt Esch ein voller Erfolg. Dieses Projekt ist übrigens ein gutes Beispiel dafür, dass die Zusammenarbeit mehrerer Akteure für das Gelingen des ökologischen Wandels im Land wichtig ist. Auf der einen Seite stehen die Unternehmen und Investoren (natürliche oder juristische Personen), die Ideen und Kapital einbringen, und auf der anderen Seite die Finanzinstitute, die durch die Bereitstellung der erforderlichen Finanzierungen die Verwirklichung von deren Projekten ermöglichen.

Das leistungsstärkste Solarkraftwerk in Esch in Zahlen:

868 Solarmodule
868 Solarmodule
auf dem Dach des Parkhauses installiert.
287  Kilowatt
287 Kilowatt
Leistung.
460 Parkplätze
460 Parkplätze
und 600 weitere Plätze, die noch eingerichtet werden können

Die von diesem Kraftwerk erzeugte Energie entspricht:

dem Strombedarf von 93 Haushalten über ein ganzes Jahr

1,2 Millionen gefahrenen km mit einem Elektroauto pro Jahr

Ein Gemeinschaftsprojekt von Sudstroum und Enerdeal

Das im Jahr 2009 gegründete Unternehmen Enerdeal konzentriert sich auf den Bau, den Betrieb und die Finanzierung von gewerblichen Solarkraftwerken (mindestens 2.000 m² Dachgrundfläche oder 200 kW Solarleistung). Von den bereits 200 fertiggestellten Solarprojekten haben 50 % der Kunden die Absicht, das Projekt selbst zu kaufen bzw. zu finanzieren, wobei die andere Hälfte eine Fremdfinanzierung vorzieht.

Die Kunden von Enerdeal sind Unternehmen oder Immobilieneigentümer, die ihre ESG-Engagements weiter ausbauen möchten. Die ökologische Komponente ist mittlerweile der Hauptgrund, warum sich Unternehmen an die Firma Enerdeal wenden, die für sie Lösungen findet, die genau an deren Geschäft und Umweltziele angepasst sind.

Für die Durchführung des Projekts „Parking Biohealth“ haben die beiden Unternehmen Enerdeal und Sudstroum das Joint Venture Sudsolar Energy Invest II Sàrl gegründet, dessen Anteile sie zu gleichen Teilen halten. Sie teilen sich also sowohl die Aufgaben als auch die Chancen und Risiken und erarbeiten gemeinsam die besten Lösungen, setzen diese in die Tat um und suchen nach den passenden Finanzierungen.


5 Fragen an

François Neu

Gründer des Unternehmens Enerdeal

 

Claude Sadeler

Corporate & Project Finance Advisor

Torsten Schockmel

CAO & CFO Sudstroum

1. Zu Beginn des Jahres haben Sie das Parkhaus Biohealth in Esch eingeweiht. Könnten Sie uns dieses Projekt erläutern?

Beim Projekt des Parkhauses Biohealth ging es zunächst darum, in diesem Parkhaus Solarenergie mit Elektromobilität zu verbinden. Mit Hilfe der Solarmodule auf dem Parkhausdach

François Neu, Gründer des Unternehmens Enerdeal

ist es nicht nur energieautark, sondern erzeugt  auch noch erneuerbare Energie, welche von den Ladestationen verwendet wird, die den geparkten Elektrofahrzeugen zur Verfügung stehen.

Die Nutzer des Parkhauses können also beispielsweise, anstatt ihre Fahrzeuge abends bei sich zu Hause aufzuladen, die Ladestationen zum Aufladen ihres Fahrzeugs tagsüber nutzen.

Claude Sadeler, Corporate & Project Finance Advisor

2. Auf wen ist die Initiative für dieses Projekt zurückzuführen?

Die Initiative des Projekts „Parking Biohealth“ hat ihren Ursprung bei den Eigentümern/Entwicklern des Parkhauses, die von Anfang an ein umweltfreundliches Parkhaus bauen wollten, das mit Solarenergie gespeist wird. Die für die Installation der Solarmodule erforderliche Infrastruktur wurde

deshalb bereits in die Baugenehmigung des Parkhauses integriert. Die Initiative für dieses Projekt war also rein privat.

Normalerweise funktioniert so etwas umgekehrt: auf der einen Seite steht der geschäftliche Ansatz und auf der anderen die öffentliche Hand (Regierung, Gemeinden usw.), die zur Förderung der verschiedenen Projekte beiträgt. Uns ist ferner aufgefallen, dass das Parkhaus Biohealth Denkanstöße für die Schaffung ähnlicher Projekte in naher Zukunft gegeben hat.

Torsten Schockmel, CAO & CFO de Sudstroum

3. Welche Herausforderungen gab es bei der Durchführung dieses Projekts?

Bei Solarprojekten sind die Herausforderungen generell:

  • Die Fläche: Boden- und Dachflächen von mindestens 2.000 m² sind besonders geeignet, da sie eine bessere Solarrentabilität bieten. Diese müssen für derartige Anlagen geeignet, wasserdicht oder bereits mit Solarpotenzial gebaut worden sein, damit ihre Fläche für die Erzeugung von Ökostrom überhaupt nutzbar ist.

  • Die Beschattung: Die Beschattung/Sonnenbestrahlung in Verbindung mit der Ausrichtung der Module beeinflusst ihre Leistung, wobei wir leider keinen Einfluss auf die Sonne haben. In den vergangenen Jahren war die Besonnung stets stärker als erwartet, was für uns natürlich von Vorteil war.

  • Die Infrastruktur: Bei jedem Gebäude, auf dem Solarmodule installiert werden sollen, müssen zunächst die elektrischen Anschlüsse überprüft werden. Wenn die Elektroanlage beispielsweise eine unzureichende Kapazität aufweist, ist diese in enger Zusammenarbeit mit dem Netzbetreiber zu erweitern.

    Für das Projekt des Parkhauses Biohealth stand uns eine ausreichende Fläche zur Verfügung, und die beim Bau geplante Infrastruktur war von Anfang an auf das Projekt ausgelegt. Darüber hinaus stört eine Solaranlage kaum und unterliegt sehr wenigen Beschränkungen, weshalb wir in dieser Hinsicht freie Hand hatten.

    Man wird bald mit dem Finger auf uns zeigen, wenn wir nichts unternehmen.

    Das Parkhaus Biohealth hat verschiedene halbe Geschosse, weshalb bislang nur die Hälfte des Parkhauses mit Solarmodulen ausgestattet wurde. Die Beschattung ist ein wichtiger Faktor und könnte bei den Halbgeschossen die Effizienz der Solarmodule verringern. 

    Aus diesem Grund haben wir nur eine Hälfte der Fläche mit Modulen versehen. In einem zweiten Schritt wird sicherlich eine weitere Etage mit Solarmodulen hinzugefügt.

    Wie bei jedem Projekt gibt es auch hier einige Einschränkungen, für die es jedoch generell Lösungen gibt, so dass die Projekte dann erfolgreich abgeschlossen werden können.

    4. Was veranlasst Ihrer Meinung nach Unternehmen, Solarprojekte zu starten?

    Es gibt mehrere Gründe, aus denen sich immer mehr Kunden dessen bewusst werden, dass sie jetzt etwas tun müssen. Zusammenfassend könnte man vier Hauptkriterien anführen:

    Das Image

    Unternehmen können es sich nicht mehr leisten, keine Umweltziele zu haben. Sie müssen mit gutem Beispiel vorangehen.

    Der Preis der Investition

    Der Investitionsaufwand in Solarenergie sind stark gesunken, die Höhe der Zuschüsse ist im Vergleich zu anderen Technologien jedoch niedriger.

    Die Besteuerung

    Die steuerliche Belastung je Tonne CO2 steigt.

    ESG

    Die Erzeugung umweltfreundlicher Energie vor Ort und das Angebot umweltfreundlicher Dienstleistungen für die Mitarbeiter eines Unternehmens (Ladestationen am Arbeitsplatz) sind Lösungen, die in Unternehmen zu integrieren sind.

    Dies sind aber nicht die einzigen Kriterien. Manche Unternehmen verwenden ihre freien, bislang ungenutzten Flächen jetzt logischerweise für Solarlösungen, womit sie einen Beitrag zur Erfüllung der Klimaziele leisten.

    Jedes Unternehmen bzw. jeder Unternehmer mit einer Dachgrundfläche oder einer nicht bebauungsfähigen Fläche von mindestens 2.000 “m² kann darauf Solarmodule installieren.

    5. Jetzt Solar und was dann?

    In einem Solarmodul sind keine seltenen Erden, keine Schwermetalle und kein extrem umweltschädliches Element verbaut, zudem können 90 bis 95 % seiner Bestandteile demontiert und recycelt werden.

    Aktuell beträgt die Lebensdauer von Solarmodulen mindestens 25 Jahre, und

    auch danach liegt ihre Leistung noch bei 85 %. Allein unter diesen Gesichtspunkten kann man davon ausgehen, dass Sonnenenergie, solange die Sonne scheint, ewig nutzbar ist!

    In Luxemburg gibt es 300 Hektar an verfügbaren Parkhäusern mit versiegelten Flächen, wo Solarmodule aufgestellt werden können.

    Aufgrund der steigenden Nachfrage nach erneuerbaren Energien entwickeln wir unser Angebot weiter und nehmen weitere Infrastrukturen in unser Lösungsangebot auf, wie beispielsweise Ladestationen für Elektrofahrzeuge.

    Manche Kunden kommen zu uns, um ihre Parkhäuser mit Solarenergie auszustatten und erneuerbare Energie zu erzeugen, möchten sich aber um die Verwaltung nicht kümmern. Aus diesem Grund arbeiten wir an maßgeschneiderten und Komplettangeboten, die von der einfachen Installation einer Solaranlage bis hin zur Fremdinvestition/zum Leasing gehen.

    Die Unterstützung von Spuerkeess bei diesem Projekt

    Als staatliche Bank, der die ökologische Entwicklung des Landes am Herzen liegt, begleitet Spuerkeess seine Kunden bei ihren Projekten, die zu einem besseren Klima beitragen sollen.

    Gespräch mit Max Zuccoli, Kundenbetreuer für den öffentlichen Sektor im Corporate Banking von Spuerkeess, der uns den Ablauf dieses Projekts erläutert.

    1. Wann gab es die ersten Gespräche mit Ihrem Kunden?

    Die ersten Gespräche gab es bereits im März 2020 über den Vertreter von SudStroum, Hr. Schockmel. Er informierte uns über die Zusammenarbeit mit Enerdeal bei der Durchführung mehrerer Projekte zur Installation von Photovoltaikmodulen durch das neu gegründete Unternehmen SudSolar Energy Invest 2 sàrl.

    Das Projekt BioHealth wurde uns dann konkret Mitte Juni 2020 von den Vertretern des Unternehmens SudSolar vorgestellt. Diese erste Präsentation umriss vorrangig das von der luxemburgischen Regierung für das Jahr 2020 festgelegte nationale Ziel für erneuerbare Energien sowie dessen technische Durchführung.

    Max Zuccoli, Kundenbetreuer für den öffentlichen Sektor im Corporate Banking von Spuerkeess

    2. Was war Ihre Rolle bei diesem Projekt?

    Das Projekt BioHealth wurde aufgrund seiner gewerblichen Dimension (286 kWp) von „mixed equity and debt funding“ auf der Grundlage eines so genannten „project finance“-Ansatzes finanziert, also allein basierend auf dem Cashflow, der durch die Stromerzeugungsprognose des Projekts gemäß der Wirtschaftlichkeitsberechnung über 15 Jahre generiert wird.

    Der Cashflow wurde unter Bezugnahme auf die für die Berechnung der lokalen Sonneneinstrahlung üblicherweise verwendete europäische Website sowie auf der Grundlage zuverlässiger und transparenter Daten aus der mehrjährigen Erfahrung des Unternehmens Enerdeal bei der Planung, dem Bau und der Verwaltung gewerblicher Solarkraftwerke bestimmt.

    Um den endgültigen Finanzierungsbedarf des Projekts BioHealth zu bestimmen, gab es einen regelmäßigen Austausch. So konnte die Finanzierung durch Spuerkeess bereits kurz nach der ersten Präsentation des Projekts genehmigt werden.

    3. Welchen Mehrwert bieten Sie dem Kunden?

    Dank der schnellen Genehmigung der Finanzierung durch Spuerkeess konnte das Unternehmen SudSolar die Umsetzung und den Bau der Photovoltaikanlage auf dem Parkhaus von House of BioHealth in Esch in vollstem Vertrauen planen.

    Ein nachhaltiges Projekt, das den ESG-Zielen von Spuerkeess entspricht

    Eine letzte Frage an Philippe Hennes, Corporate Banking – Team Manager:

    Das Klima ist also ein zentraler Punkt der ESG-Strategie der Bank?

    Auf jeden Fall! Spuerkeess hat stets und über Jahre hinweg einen Ansatz zur Förderung von nachhaltigen und erneuerbaren Energien verfolgt, und zwar sowohl inner- als auch außerhalb unserer Bank. Vor diesem Hintergrund hat Spuerkeess im Oktober 2019 als erste luxemburgische Bank die „Grundsätze der Vereinten Nationen für eine verantwortungsvolle Bank“ unterzeichnet. In diesem Dokument verpflichten wir uns, einen Beitrag zur Verwirklichung der Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen und des Pariser Klimaschutzabkommens zu leisten.


    In unserer Abteilung „Corporate Banking“ sind wir sehr stolz, Sudsolar Energy Invest II Sàrl bei der Entwicklung seiner Projekte auf dem Gebiet der Energiewende zu beraten und zu begleiten.