14. Januar 2022

Die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern und wie sie beendet werden kann

Nach Angaben des vom Weltwirtschaftsforum herausgegebenen Global Gender Gap Report 2021 muss eine weitere Generation von Frauen auf die Gleichstellung der Geschlechter warten. Frau Dr. Eva Sierminska, Wirtschaftswissenschaftlerin am Luxemburger Institut für sozioökonomische Forschung (LISER), hat die Geschlechterkluft in Luxemburg untersucht. Sie erzählt uns mehr über das Ungleichgewicht und bietet nützliche Tipps für Frauen, wenn sie mit Ungleichheit konfrontiert werden.

1. Wie groß ist die Ungleichheit zwischen Männern und Frauen und wie bemessen Sie sie?

Es gibt viele Gefälle zwischen Männern und Frauen: beim Gehalt, bei der Rente, beim Vermögen, bei der Bildung oder bei den Führungspositionen. In Europa wird am meisten über das Gehaltsgefälle geredet. Es wird aus der Differenz zwischen dem durchschnittlichen Stundenlohn von arbeitenden Männern und arbeitenden Frauen errechnet. Den neuesten Zahlen zufolge verdienen Frauen in der EU 14 % weniger pro Stunde als Männer. Allerdings gibt es sehr große Unterschiede zwischen den Ländern.

2. Was sind die am häufigsten genannten Probleme?

Die Hauptprobleme der Frauen sind von Institution zu Institution unterschiedlich. Zu den am häufigsten genannten Punkten am Arbeitsplatz gehört jedoch ein Arbeitgeber, der die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben fördert und für gleiches Entgelt sorgt.

Belästigung steht ebenfalls ganz oben auf der Liste, ebenso wie Anerkennung und Aufstiegsmöglichkeiten.

Wichtig ist, dass der Arbeitgeber/Vorgesetzte nicht davon ausgeht, dass sich eine Frau nicht für eine bestimmte Stelle interessiert oder dass sie höchstwahrscheinlich Nein sagen wird. Fragen Sie sie!

3. Wo steht Luxemburg zurzeit im Hinblick auf die Gleichstellung der Geschlechter?

Das geschlechtsspezifische Gehaltsgefälle in Luxemburg ist eines der niedrigsten in Europa. Nach den neuesten Zahlen liegt es bei 1,4 %. Im Vergleich dazu beträgt es in Deutschland 20 %, in Frankreich 15 % und in Belgien 6 %. Diese Zahlen verschleiern aber eine sehr ungleiche Situation in den verschiedenen Branchen. In Luxemburg gibt es zahlreiche Maßnahmen zur Förderung von Gleichberechtigung von Frauen und Männern auf dem Arbeitsmarkt. Jedoch bestehen nach wie vor viele Schwierigkeiten, wenn es um die Beförderung von Frauen in Verantwortungspositionen geht.

4. Welche Branchen fallen im Hinblick auf die Geschlechterkluft negativ auf?

In der letzten Studie, an der ich 2019 gearbeitet habe und bei der ich die Geschlechterkluft in den verschiedenen Branchen untersuchte, haben wir sehr große Gefälle in den Sektoren professionelle, wissenschaftliche und technische Tätigkeiten (25 %), Finanzen und Versicherungen (22 %) sowie Immobilien (17 %) festgestellt. Dies sind alles Zweige, in denen vorwiegend Männer beschäftigt sind. Aber selbst in anderen Dienstleistungsbereichen, in denen Frauen mit größerer Wahrscheinlichkeit beschäftigt sind, lag das Gefälle bei 30 %.

5. Was kann die Gesellschaft tun, um die Geschlechterkluft zu schließen?

Ich glaube, die Gesellschaft könnte vieles tun, aber wir müssen sie hierüber erst einmal aufklären. Das ist nicht nur die Aufgabe von Schulen und Universitäten, sondern auch von Familien, Unternehmen oder dem Staat. Eine Diskussion über diese Themen schärft unser Bewusstsein. Im Moment scheint es, dass dieses Bewusstsein noch nicht überall vorhanden ist und auch wenn es in gewissem Maße existiert, begreifen wir immer noch nicht, welche Konsequenzen die Gefälle haben, die es in unserer Gesellschaft gibt. Eine Möglichkeit, um hier Abhilfe zu schaffen, wären so genannte „Genderbeobachter“. Diese in Schulen, Unternehmen oder Banken angesiedelten Personen würden bei der Einstellung von Mitarbeitern oder bei größeren Entscheidungen, die die Gesellschaft oder Mitarbeiter betreffen, die richtigen Fragen stellen. Wie würde sich diese Entscheidung auf Männer auswirken, wie auf Frauen? Gibt es, was dies betrifft, etwas, was wir besser machen können, um negative Konsequenzen dieser Entscheidungen für Frauen oder Männer zu vermeiden.

6. Welche fünf nützlichen Tipps haben Sie für Frauen, die sich in der Arbeit herabgesetzt fühlen?

Ich habe festgestellt, dass Menschen, die andere herabsetzen, sich entweder bedroht fühlen oder es ihnen an Respekt für andere mangelt. Diese Erkenntnis hat mir geholfen, solche Kommentare nicht persönlich zu nehmen und sie eher als Hinweis darauf zu verstehen, um was für eine Person es sich bei dem Kommentator handelt, und nicht, wer ich bin. Wenn ich, was dies betrifft, auf eine Frau oder einen Mann treffen würde, die/der sich herabgesetzt fühlt, würde ich das ihr oder ihm sagen. In erster Linie definieren die Kommentare anderer nicht, wer wir sind. Häufig projizieren die Kommentatoren hier ihre eigenen Unsicherheiten. Deshalb habe ich die folgenden Tipps.

5 Tipps für Frauen, die sich in der Arbeit herabgesetzt fühlen

1. Glaube an dich, deine Fähigkeiten und deine Mission.

2. Verbünde dich mit Menschen, die dich unterstützen und an dich glauben.

3. Sei widerstandsfähig – der Erfolg wartet am Ende eines langen Wegs.

4. Gib niemals auf – der Weg ist kurvenreich und es gibt alle möglichen Richtungsänderungen.

5. Du musst nur einen kleinen Schritt machen – das bringt dich bereits deinem Ziel näher.

Über diesen Blog:

 

Der rasche Wandel hin zu globaler ökologischer Nachhaltigkeit ist dringend geboten. Wirtschaft und Industrie haben enorme soziale und ökologische Auswirkungen. „Warum ist das wichtig?“  ist ein zweimonatlicher Blog, der darauf abzielt, dieses wichtige Thema aus der Sicht unserer Experten zu beleuchten.


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