15. Mai 2024

Plastikverschmutzung – und wie man ihr mit finanziellen Nachhaltigkeitslösungen Einhalt gebieten kann

Finanzielle Anreize sind für Unternehmen ein Beweggrund, auf umweltfreundlichere Praktiken einzuschwenken. Sowohl Regierungen als auch der private Sektor spielen bei dieser Dynamik eine entscheidende Rolle. Luxemburg führt derzeit gesetzliche Vorgaben ein, um die Plastikflut einzudämmen. Zudem gibt es praktische Tipps für konkrete Maßnahmen auf lokaler Ebene. Charles-Albert Florentin, Cluster Manager Cleantech bei Luxinnovation, hat uns in diesem Interview an seiner Expertise bei Nachhaltigkeitsinnovationen im Großherzogtum teilhaben lassen und dabei illustriert, welche Wirkung Finanzierungsmodelle im Kampf gegen Plastikmüll weltweit entfachen können.

1. Können Sie Beispiele für wegweisende Nachhaltigkeitsinitiativen finanzieller Natur nennen, die derzeit umgesetzt werden, um im globalen Maßstab gegen die Plastikverschmutzung vorzugehen?

Zunächst ist hier die Weltbank zu nennen, die die weltweit erste Anleihe zur Reduzierung von Plastikmüll mit einem Gesamtvolumen von EUR 100 Millionen aufgelegt hat, um Bestrebungen zur Verringerung und zum Recycling von Plastikmüll finanziell zu unterstützen.

Daneben gibt es Programme zur erweiterten Herstellerverantwortung (EPR), insbesondere für Kunststoffverpackungen, die die Hersteller in die Pflicht nehmen, die Sammlung und das Recycling der von ihnen auf den Markt gebrachten Kunststoffe zu finanzieren und so die Entwicklung nachhaltigerer Produkte zu fördern.

2. Wie effektiv sind finanzielle Anreize, um Unternehmen dazu zu bewegen, weniger Plastik einzusetzen und auf nachhaltigere Praktiken umzuschwenken?

Insgesamt ist ein wachsendes Bewusstsein aufseiten der Unternehmen für die Kunststoffproblematik festzustellen, das über die rein finanziellen Aspekte hinausgeht. So arbeitet beispielsweise die Industrie an Wegen zur Verbesserung des Verarbeitungszyklus von Kunststoffen und an möglichen Synergien zwischen den verschiedenen Akteuren.

Bis zum Jahresende könnte es mit der Verabschiedung eines weltweiten Abkommens, das auf einer im März 2022 verabschiedeten UN-Resolution fußt, weitere Impulse geben. Dieser Text sollte rechtlich bindend sein, um die Plastiklawine auf globaler Ebene zu bändigen, indem der gesamte Lebenszyklus dieser Kunststoffe in den Blick genommen wird.

3. Welche Rolle spielen die Regierungen bei der Unterstützung von Initiativen aus dem Bereich Sustainable Finance zur Bekämpfung der Plastikverschmutzung?

Bei der erforderlichen Plastikwende fällt Regierungen unleugbar eine Schlüsselrolle zu. So können sie einerseits Steueranreize setzen und andererseits zu finanziellen Sanktionen greifen, um Plastikverschmutzung zu unterbinden. Wir dürfen uns jedoch nicht nur darauf verlassen, dass der Staat auf diesem Gebiet tätig wird. Private Akteure, allen voran die Industrieunternehmen, sind ebenfalls ein wichtiger Teil der Lösung, indem sie sich über Forschung und Entwicklung für innovative Methoden und Verfahren zur Verringerung von Kunststoffen schon in der Produktion sowie für ein besseres Entsorgungsmanagement engagieren.

4. Was unternimmt Luxemburg, um Projekten über nachhaltige Finanzierungen zur Bekämpfung von Plastikmüll mehr Schubkraft zu verleihen, und wie schneiden unsere Anstrengungen im Vergleich mit dem Rest der Welt ab?

Luxemburg hat 2022 ein neues Gesetz zur Vermeidung und Reduzierung von Abfällen verabschiedet und arbeitet weiterhin an der Entwicklung von Mehrwegsystemen für Verpackungen. Es ist vorgesehen, dass bis 2030 alle Kunststoffverpackungen auf eine Wiederwendung oder ein Recycling ausgelegt sein müssen. Zudem wird über ein Gesetz debattiert, das die systematische Vernichtung unverkaufter Ware untersagt.

Bei Luxinnovation, der nationalen Agentur zur Förderung von Innovation, arbeiten wir überdies sowohl auf nationaler Ebene als auch in der Großregion an Projekten für eine effizientere Nutzung von Kunststoffen, ihr Recycling und ihre Reduzierung.

5. Welche fünf Praxistipps können Sie unseren Lesern mitgeben, die dazu beitragen möchten, Plastikmüll in ihrem persönlichen Umfeld zu reduzieren?

5 nützliche Tipps für Plastikmüll im persönlichen Umfeld zu reduzieren: 

  1. Der beste Weg, Plastikmüll zu bekämpfen, besteht darin, ihn gar nicht erst entstehen zu lassen! Geben Sie unverpackten Produkten und wiederverwendbaren Behältnissen aus Glas, Stoff oder Metall den Vorzug.
  2. Achten Sie auf überflüssige Umverpackungen von Lebensmitteln. Zwölf Kekse in einer einzigen Schachtel schmecken genauso lecker wie jeweils zwei Kekse in sechs kleinen Einzelverpackungen.
  3. Trennen Sie Plastikabfälle richtig. Plastikabfälle gehören in einen hierfür vorgesehenen Container/Beutel, nicht in den Graben einer Landstraße oder in den Abwasserkanal.
  4. Die richtige Erziehung von klein auf ist von entscheidender Bedeutung: Indem wir unseren Kindern ein gutes Vorbild sind, stellen wir sicher, dass umweltfreundliches Verhalten für künftige Generationen selbstverständlicher wird.
  5. Machen Sie mit, wenn Müllsammelaktionen stattfinden, etwa in Wäldern, in Parks oder an Flüssen!

Über diesen Blog:

 

Der rasche Wandel hin zu globaler ökologischer Nachhaltigkeit ist dringend geboten. Wirtschaft und Industrie haben enorme soziale und ökologische Auswirkungen. „Warum ist das wichtig?“  ist ein zweimonatlicher Blog, der darauf abzielt, dieses wichtige Thema aus der Sicht unserer Experten zu beleuchten.


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