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Evergreens Insights: Die Schlüssel zum Unternehmertum von morgen

In diesem Auszug aus dem Podcast „Evergreens by Spuerkeess“ kommen Gérard Thein (Präsident der Fédération des Jeunes Dirigeants – FJD), Sven Baltes (CEO von Jonk Entrepreneuren Lëtzebuerg – JEL) und Jean Luc Bermes (Deputy Head of Corporate Banking – Spuerkeess) zu Wort. Sie sprechen über die direkten Auswirkungen zunehmender Regulierungen, neuer Technologien und wirtschaftlicher Unsicherheiten auf Unternehmerinnen und Unternehmer.

Was ist die „Fédération des Jeunes Dirigeants (FJD)“?

Die FJD wurde 1977 von einer Gruppe von Unternehmern gegründet und wird im kommenden Jahr ihr 50jähriges Bestehen feiern. Heute zählt sie mehr als 600 Mitglieder. Etwa die Hälfte davon sind aktive junge Führungskräfte unter 45 Jahren. Die andere, ältere Hälfte bleibt der Föderation als passive Mitglieder verbunden. 

„Wir repräsentieren die gesamte luxemburgische Wirtschaft – vom Drei bis FünfPersonenBetrieb über große Industriegruppen, Beratungsunternehmen bis hin zu Banken. Und das landesweit, von Clervaux bis Esch und von Steinfort bis Grevenmacher“, erklärt Gérard Thein.

Was sind die Unterschiede zwischen „Jonk Entrepreneuren“ und der FJD?

Die Jonk Entrepreneuren wurden vermutlich von derselben Gruppe ins Leben gerufen wie die FJD – oder zumindest von ihr initiiert. Die Ursprünge des Vereins reichen in die 1980erJahre zurück. Ziel war es, Unternehmer, Unternehmergeist und Unternehmen allgemein zu unterstützen. 

Dies geschieht durch Instrumente, Förderungen und Mechanismen, insbesondere durch die Bereitstellung von Mentorinnen und Mentoren, die mit ihrer unternehmerischen Denkweise und Vision unterstützen. 

Damals orientierte man sich an Initiativen in Belgien, Deutschland und Frankreich. Erste Aktivitäten wurden auch in Luxemburg umgesetzt – etwa das Projekt „Boule et Bill“, das von der FJD ins Leben gerufen wurde und darauf abzielte, mit Freiwilligen ein Unternehmen zu gründen. Dieses Projekt lieferte erste Impulse für den Grundschulbereich. 

„Daraus sind die Jonk Entrepreneuren entstanden. Noch heute unterstützen wir JEL als Jurymitglieder oder Mentoren. Die Priorität der FJD ist das Unternehmertum – auch bei jungen Menschen – und anschließend die konkrete Unterstützung im Alltag, der Austausch sowie die Stärkung und Vernetzung kleiner Netzwerke in Luxemburg“, erläutert Gérard Thein. 

Auf dieser Basis wurde die Organisation 2005 formalisiert. Seitdem ist „ Jonk Entrepreneuren Lëtzebuerg asbl fest im luxemburgischen Bildungssystem verankert und bietet 13 Programme für junge Menschen zwischen 9 und 25 Jahren an. 

„Wir begleiten sie mit unternehmerischen Programmen, die auf drei Säulen basieren: Finanzbildung, „Work Readiness“ und natürlich Unternehmertum“, erklärt Sven Baltes. Ziel ist es, jungen Menschen Perspektiven aufzuzeigen, ihre „Life Readiness und Work Readiness zu stärken und sie – wenn gewünscht – bei ihrem ersten unternehmerischen Projekt zu begleiten. 

JeanLuc Bermes, ehemaliges aktives Mitglied, bestätigt dies: „Ich bin weiterhin Mitglied, habe aber die Altersgrenze von 45 Jahren überschritten. Es ist sehr wichtig, dass Austausche stattfinden und dass Unternehmer Ideen entwickeln, wie sie sich gegenseitig unterstützen können.“   

Was unterscheidet die FJD von klassischen Föderationen?

Im Gegensatz zu klassischen Interessenvertretungen wie der Handwerks oder Handelskammer vereint die FJD junge Unternehmerinnen und Unternehmer über alle Branchen hinweg in einem generationsübergreifenden, transversal ausgerichteten Netzwerk. 

„Wir treten nicht frontal politisch auf, sondern halten uns eher zurück und versuchen, positiv nach vorne zu blicken“, ergänzt Gérard Thein.

Sind Networking und Bildung zentrale Aspekte beider Organisationen?

Für die FJD steht Networking im Mittelpunkt – allerdings nicht ausschließlich. In den ersten zwei Jahren der Mitgliedschaft nehmen neue Mitglieder an einer Art Workshop teil, bei dem sie ein Projekt erarbeiten und präsentieren müssen. Wirtschaftliche und gesellschaftliche Fragestellungen werden gemeinsam analysiert, ähnlich wie in einem Ideenlabor. Lösungsansätze werden aufgezeigt und anschließend Ergebnisse auch in andere Gremien und Kammern eingebracht. 

Bei den Jonk Entrepreneuren steht der Bildungsaspekt im Vordergrund, insbesondere die Entwicklung von Kompetenzen. Das Thema Talent ist zentral: Wie stellen wir sicher, dass junge Menschen in Luxemburg bereit sind, die Unternehmen von morgen zu führen? Im Kern geht es darum, eine Reihe von Kompetenzen einzubringen, die das Wachstum und die Entwicklung der luxemburgischen Unternehmen fördern können - unabhängig davon, wo man herkommt und welchen beruflichen Werdegang man hat. 

„Die FJD und unsere privaten Partner sind dabei extrem wichtig, denn wir bilden eine Brücke zwischen Bildungswelt und Wirtschaft“, ergänzt Sven Baltes.  Zusätzlich organisiert die FJD Konferenzen für ihre Mitglieder – teilweise mit Gästen aus Politik oder spezifischen Branchen –, um Erfahrungen und Knowhow zu teilen.

Wie steht es aktuell um das Unternehmertum vor Ort?

Nach mehreren Krisen befinden sich Unternehmen in einer besonders anspruchsvollen Phase. JeanLuc Bermes erklärt: „Wir erleben es täglich: Alles wird immer stärker reguliert, auch im Bankensektor. Für Finanzierungen müssen heute deutlich mehr Unterlagen eingereicht werden. Große Unternehmen sind strukturierter und besser darauf vorbereitet, kleinere Strukturen hingegen oft nicht. Dann braucht es Zeit, um die Dokumentation zusammenzustellen, die der Regulator heute von uns verlangt. Früher standen Sicherheiten im Vordergrund, heute spielt der Cashflow eine zentrale Rolle. Insgesamt kann man sagen, dass diese „Überregulierung teilweise problematisch ist. Sie kann aber auch Vorteile bringen. Man sollte der Politik vielleicht mitteilen, dass sie es übertreibt. Dennoch bleibt eine Regulierung wichtig, da sie auch zur Abgrenzung gegenüber anderen Weltregionen beitragen kann.“   

Gérard Thein ergänzt zur Rolle der Banken: „Luxemburgische Banken haben einen Vorteil, weil der B2CKontakt enger ist. Sie verstehen uns. Weiterhin kann ich nicht nachvollziehen, warum man sich in Luxemburg und in Europa bei öffentlichen Ausschreibungen auf den wirtschaftlich niedrigsten Preis beschränkt. Dadurch werden lokale Anbieter benachteiligt. Das ist ein großes Problem, denn kleine lokale KMU stehen im Nachteil gegenüber Anbietern mit sehr niedrigen Preisen.“  In Luxemburg gibt es einen Aktionsplan zur Stärkung des Start‑up‑Ökosystems. Sven präzisiert jedochVor allem darf man das Wesentliche nicht vergessen: Die traditionellen KMU müssen weiterhin funktionieren. Sie beschäftigen viele Menschen und schaffen Wertschöpfung und Wohlstand für das Land. Man darf sie nicht außen vor lassen. Viele Förderstrukturen sind heute jedoch stark auf Innovation, Software und Software-as-a-Service ausgerichtet. Es muss darauf geachtet werden, dass traditionellere Unternehmen, die zur wirtschaftlichen Entwicklung des Landes beigetragen haben, nicht in den Hintergrund gedrängt werden“.  

  

Welche Maßnahmen fördern Unternehmertum?

Es gibt zahlreiche Unterstützungsinitiativen, darunter: 

  • Aide à la PrimoCréation: bis zu 12.000 EUR verfügbar für Erstgründer, ohne dass sie sämtliche Risiken übernehmen müssen 
  • Fit 4 Start: Coaching, Finanzierung und Networking für innovative Start-ups 
  • Staatliche Investitionsbeihilfen: bis zu 20 % je nach Projektgröße 

Gérard Thein plädiert zusätzlich für Programme wie „Fit 4 Terrain“ oder „Fit 4 Logement“, um dem Mangel an bezahlbaren Geschäftsflächen zu begegnen. „Es gibt ein echtes Problem mit Verkaufsflächen, Grundstücken und Büroräumen für Unternehmen, während die Mieten explodieren.“ 
Er hat das Projekt „Handwierkerhaff“ gemeinsam mit den Unternehmen aus Esch-sur-Alzette ausgearbeitet, das vom Staat und den Gemeinden verwaltet wird. 
Er fügt hinzu: „Nach dem Vorbild des 1535 in Differdange könnte man dort neue Unternehmen ansiedeln, damit sie ihre erste Lebensphase mit geringeren Risiken durchlaufen können.“ 

Jean-Luc Bermes präzisiert, dass staatliche Beihilfen früher als ein Bonus angesehen wurden, der in einem Finanzierungsplan nicht zwingend notwendig war. Er ergänzt: „Heute ist man gezwungen, sie einzuplanen, weil alles extrem teuer geworden ist. Was ich ebenfalls bestätigen kann, ist, dass immer mehr große Unternehmen Wohnimmobilien kaufen, um sie an ihre Mitarbeitenden zu vermieten, und somit die Attraktivität Luxemburgs zu erhöhen.“   

Nachhaltigkeit und KI: Hindernis oder Chance?

Im Bauwesen sei Dekarbonisierung unumgänglich, erklärt Gérard Thein. Veränderungen müssten jedoch schrittweise und praxisnah umgesetzt werden. 

Sven Baltes betont die Bedeutung eines klaren Implementierungsplans: „KI kann enorm helfen, darf das muss nicht von heute auf morgen geschehen, oder in künstlichen Rahmenbedingungen. Unternehmen müssen die Umsetzung mitgestalten. Wir können es nicht zulassen, dass Nachhaltigkeit das Wachstum ausbremst. 

JeanLuc Bermes sieht darin ebenfalls einen Standortvorteil für Luxemburg: „Wir sind klein, der Dialog mit der Politik ist möglich. Nachhaltigkeit ist uns allen wichtig – auch mir. Ich kann sie in meine täglichen beruflichen Beziehungen zu den Kundinnen und Kunden, die ich betreue, integrieren. Und man kommt an KI nicht vorbei: Man braucht sie, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Ich halte es für wichtig, sie von Anfang an nutzen zu können – auch in den Schulen.“ 

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